Die Strecke der Windbergbahn (1) 


Wir möchten Ihnen nachfolgend die Strecke der Windbergbahn beschreiben. Den befahrbaren Streckenabschnitt Dresden Hbf–Dresden-Gittersee kann man am besten bei einer Sonderfahrt kennenlernen. Auf dem seit vielen Jahren gleislosen Abschnitt Dresden-Gittersee–Possendorf läßt es sich gut Wandern oder Radfahren. Angesichts der landschaftlichen Reize wird die Trasse der Windbergbahn nicht nur von Eisenbahnfreunden, sondern auch von Naturliebhabern und Erholungssuchenden gern als Wanderweg genutzt.

 zur Wanderung entlang der Windbergbahn

Durch Oberbauschäden auf der Windbergbahn und Hochwasserschäden auf der Bahnstrecke Dresden–Chemnitz sind vorerst leider keine Sonderfahrten möglich. Der Eisenbahninteressierte findet in der folgenden Beschreibung sicher dennoch ein paar ihm bisher unbekannte Informationen.

(Geeignete Fotostandpunkte bei Sonderfahrten auf der Windbergbahn sind mit dem Fotostandpunkt-Symbol gekennzeichnet.)

Unsere Sonderfahrten auf der Windbergbahn beginnen in der Regel wie nach den Fahrplänen von 1907 bis 1957 in Dresden Hauptbahnhof. Lassen Sie uns die Streckenbeschreibung also dort beginnen.
Nach Abfahrt im Dresdner Hauptbahnhof in westliche Richtung fährt unser Zug hinter der Straßenbrücke Budapester Straße im Linksbogen auf die Strecke nach Chemnitz. Hat unser Zug die Nossener Brücke unterquert, kommen links die Anlagen des ehemaligen Bahnbetriebswerks (Bw) Dresden-Altstadt ins Blickfeld, wo im 2. Quartal eines Jahres die Dresdner Dampflokfeste stattfinden. Hinter dem Haltepunkt Dresden-Plauen wird der von dem Fluß Weißeritz durchflossene Plauensche Grund enger. Links oben erhebt sich der Aussichtsturm vom "Hohen Stein" Fotostandpunkt. In dem gleich darauf durchfahrenen Rechtsbogen befand sich bis 1927 der Bahnhof Dresden Plauen, von dem noch Gebäude erhalten sind. An der nahezu engsten Stelle im Plauenschen Grund an der Brücke für die Autobahn A17 erhebt sich in Fahrtrichtung links oben der Aussichtspunkt/Felsen "Heidenschanze" Fotostandpunkt und gegenüber auf dem rechten Berghang das markante Gebäude der "Begerburg". Nach Passieren der ehemaligen "Weizenmühle" (links markanter Runder Turm) ist nach wenigen Augenblicken das Stellwerk Freital Ost erreicht. Hier am km 5,7 der Hauptbahn Dresden–Chemnitz–Werdau (DW-Linie) zweigt die Windbergbahn (km 0,0) nach rechts ab. Bis 1945 gab es drei Gleise zur niveaufreien Ein-/Ausfädelung der Windbergbahn aus der Strecke Dresden–Werdau.

Bf Freital-Birkigt - 5,5/11,8 KB
Skizze vom Bahnhof Freital-Birkigt
Zeichnung: Klaus Gottschling   Vergrößern - 11,8 KB

Nun beginnt der interessanteste Teil der Fahrt.
Der Abzweigweiche folgt die Flankenschutzweiche nebst Prellbock. Die Strecke holt etwas nach rechts aus, um dann in einen Linksbogen überzugehen. Am km 0,3 unterqueren wir die Hauptbahn. Die Weißeritz wird von der Hauptstrecke mit einer sich rechts anschließenden größeren Gewölbebrücke überspannt. Kurz hinter der Unterführung steht links das Ausfahrsignal (Lichtsignal) vom Bf Freital-Birkigt Richtung Dresden. An dieser Stelle erkennt man auch die zweite ehemalige Unterführung, das sogenannte "Höllenmaul". (Die jenseitige Öffnung wurde durch Abkippen von altem Schotter zugeschüttet.) Am km 0,4 zweigt das Gleis zur Ortsgüteranlage Freital Ost ab. Das Streckengleis wird durch eine Gleissperre gesichert. Während früher in Freital-Birkigt drei Gleise nebeneinander lagen, existiert heute davon nur noch das Bahnsteiggleis. Bahnsteig und Gleis liegen in einem Linksbogen. Das ehemalige Dienstgebäude steht — wie alle anderen Hochbauten der Windbergbahn auch — unter Denkmalschutz. Dank der ABM-Kräfte, die uns unterstützt hatten, bietet das Bahnhofsensemble mittlerweile wieder einen attraktiveren Anblick.

Sonderzug in Birkigt - 7,8/52,3 KB Sonderzug der Windbergbahn mit Lok 346 351-0 vor Abfahrt im Talbahnhof Freital-Birkigt. Zum Aufnahmezeitpunkt waren die Bahnsteigkanten noch nicht hergerichtet. Links steht das ehemalige Dienstgebäude und dahinter der 1998 abgerissene ehemalige Kohleschuppen. Hinten rechts ist die Unterführung unter der Hauptstrecke Dresden–Freiberg–Chemnitz zu sehen und vorn rechts die Fläche, wo die zwei anderen Bahnhofsgleise lagen.
Foto: Klaus Gottschling   Vergrößern - 52,3 KB

In Höhe des Wasserstationsgebäudes steht das Ausfahrlichtsignal H Richtung Gittersee (km 0,5). Das Erdgeschoß diente einst den Reisenden als Warteraum. Der nun folgende Bahnübergang (BÜ) über die Coschützer Straße ist der einzige mit Schranken (Vollschranke) ausgestattete BÜ auf der Strecke (Fotostandpunkt abfahrender Zug bergwärts). Rechts neben dem Gleis findet man ein altes Schrankenpostenhäuschen (Holzbude).
Nach der Abfahrt unseres Zuges in Freital-Birkigt merkt man, daß die Strecke im Linksbogen bergan steigt. Bei ca. km 0,65 befinden sich links die Reste der Weiche für die abgebauten Bahnhofsgleise. Rechts sieht man den Rest einer Seitenrampe und das Planum des nach 1990 abgetrennten Anschlußgleises. Die Anschlußweiche liegt bei km 0,7. Jetzt verläuft die Strecke fast geradeaus. Kurz vor km 0,8 finden wir die Ra 10-Tafel (Halt für Rangierfahrten). Vor km 0,9 überqueren wir auf einer Blechträgerbrücke die Coschützer Straße (Fotostandpunkt von Straße aus Zug auf der Brücke). Da die Strecke 1:50 bzw. 1:40 ansteigt, beträgt der Gefahrpunktabstand (Entfernung Einfahrsignal–Gefahrenpunkt) 200 m. Deshalb steht das Einfahrsignal I (Lichtsignal) vom Bf Freital-Birkigt für Fahrten aus Richtung Gittersee erst bei km 0,98.

Windbergsonderzug in Freital - 9,3/40,6 KB Einer  der ersten Windbergsonderzüge von der Wiese unterhalb der Bannewitzer Straße aus (FotostandpunktZug bergwärts/talwärts mit Freital und Plauenschen Grund). Im Hintergrund links sieht man den bewaldeten Burgwartsberg und rechts auf dem Berg das "Jochhöhschlößchen" (Seniorenheim).
Foto: Klaus Gottschling   Vergrößern - 40,6 KB
Nach einer kurzen Zwischengeraden geht es parallel zum Collmweg in einen Rechtsbogen hinein, auf dessen Innenseite sich das Elektrizitätswerk Coschütz befand, welches bis 1955 einen Gleisanschluß besaß (Fotostandpunkt am Collmweg km 1,25 Zug bergwärts mit Jochhöhschlößchen im Hintergrund).
An einem unbeschrankten (km 1,3) wird an der Stadtgrenze Freital/ Dresden zum dritten Mal die Coschützer Straße gekreuzt. Die Strecke verläuft nunmehr in Richtung Südwest am Hang entlang. An der Stelle des Vorsignals für das Einfahrsignal I steht bei km 1,38 eine Kreuztafel. Hinter km 1,4 sehen wir zunächst rechts und dann links einen ehemaligen Gleisanschluß des "VEB Fördertechnik Freital". Eine Fußgängerunterführung zur Verbindung der Betriebsteile befindet sich bei km 1,6.
Hinter dem unbeschrankten an der Gitterseer Straße (km 1,73) folgt bis km 1,95 ein gerades Stück Strecke. Da unser Zug bereits einige Höhenmeter erklommen hat, sind schon weite Ausblicke auf Freital zu genießen, zumal durch den Sportplatz rechter Hand die Sicht nicht verwehrt wird. Das Jochhöhschlößchen oberhalb des Plauenschen Grundes ist ein markanter Orientierungspunkt. Anhand der zwei Schornsteine des ehemaligen Heizwerks in Freital-Birkigt läßt sich die Lage des einige Minuten zuvor passierten Talbahnhofs Birkigt bestimmen.
Sonderzug im Geiersgraben - 9,3/59,4 KB Lok 346 319 der DB AG fährt mit einem Sonderzug durch den Geiersgraben, wo einer der engsten Gleisbögen (85 m Halbmesser) der Windbergbahn liegt.
Foto: Klaus Gottschling  
Vergrößern - 59,4 KB
Der Zug muß sich auf dem folgenden Streckenabschnitt durch die engsten Bögen der Windbergbahn zwängen. Der Linksbogen weist einen Radius von nur 85 m auf! Der hinter der Kleingartenanlage beginnende Rechtsbogen auf dem Damm (mit Durchlaß) über dem Geiersgraben (km 2,2) hat auch nur 85 m Radius. Um die Extreme komplett zu machen, schließt sich ohne wesentliche Zwischengerade ein Linksbogen mit 91 m Halbmesser an (km 2,3). Und das alles in einer Steigung von 1:40. Nach dem Geiersgraben wird rechts wieder die Aussicht auf Freital, zum Burgwartsberg und zum Jochhöhschlößchen frei. Durch die reichlich 200 m gerade Strecke haben Sie Zeit, den Blick schweifen zu lassen (Fotostandpunkt Zug talwärts von Ferdinand-Freiligrath-Straße). Im Linksbogen windet sich die Windbergbahn um den Eichberg und verläuft ab km 2,9 ein Stück parallel zur Straße "Leisnitz" (Fotostandpunkt Zug bergwärts neben Straße).
Bei km 3,0 fahren wir nach links von der Straße weg, dann durch einen kleinen Einschnitt und danach auf einen Damm ("Schieferhaufen"). Jetzt können Sie das einzige Mal auf der noch befahrbaren Strecke rechts das Massiv des Windbergs sehen. Freital liegt links zu Füßen. Am km 3,6 kreuzen sich Bahnlinie und Bannewitzer Straße (Fotostandpunkt Zug bergwärts mit Windberg im Hintergrund). Für die Zufahrt zu einer Gärtnerei gibt es eine Unterführung (Brücke bei km 3,68) (Fotostandpunkt von Wiese am Hang Zug bergwärts mit Windberg im Hintergrund / Zug talwärts - Steigung gut zu sehen). Die Strecke biegt ein Stück hinter der Gärtnerei nach rechts in den Kesselgrund ein. Im oberen Teil des Grundes überquert unser Zug im Linksbogen eine kleine Brücke (Fotostandpunkt Zug bergwärts vor Brücke von Weg neben der Strecke). Nach dem Einschnitt im Anschluß an die Brücke wird links letztmalig der Blick zum Jochhöhschlößchen frei. Die Kreuztafel am km 4,89 kündigt bereits den Bf Dresden-Gittersee an. An dieser Stelle lagen rechts zu Frühzeiten der Bahnlinie die Anschlußgleise des Meiselschachts.
Bf Dresden-Gittersee - 3,5/8,7 KB
Skizze vom Bahnhof Dresden-Gittersee Zeichnung: Klaus Gottschling
Vergrößern - 8,7 KB
Schon bevor im Rechtsbogen die Brücke über die Karlsruher Straße (frühere Kohlenstraße) passiert wird, kann man das Einfahrformsignal A von Dresden-Gittersee sehen. Es steht bei km 5,29. Die erst nach 1990 gebaute Schranke am km 5,38 sollte eigentlich der Zufahrt zum Gewerbegebiet Coschütz/Gittersee dienen. Das Gewerbegebiet wurde aber dann anders angebunden und die Schranke unnötig. Das Schrankenpostenhäuschen hat man wieder abgerissen. Während wir den Bf Gittersee erreichen, sehen Sie rechts einige der unserem Verein gehörenden Schienenfahrzeuge.
Vom einstigen Anschluß zum Reifenwerk liegen bei km 5,51 nur noch die Weiche und die Gleissperre (Fotostandpunkt Einfahrt in den Bf Gittersee). Links erstreckt sich das Gelände des ehemaligen "Bergbaubetriebes 'Willi Agatz'", wo seit einigen Jahren die Altlastensanierung vorgenommen wird. In der Güterabfertigung auf der rechten Seite ist der Dienstraum des Fahrdienstleiters. Von dort werden einige Weichen und das einzige Formsignal A (Einfahrsignal) gestellt. Das mechanische Stellwerk ist interessant. Die sicherungstechnischen Abhängigkeiten werden mittels Schlüsselwerk gewährleistet.
Die Fahrt auf der Windbergbahn endet für unsere Gäste am Inselbahnsteig des Bahnhofs Dresden-Gittersee. Über den Überweg gelangen Sie auf den Hausbahnsteig. Im rekonstruierten Empfangsgebäude befinden sich eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Windbergbahn sowie unser Souvenirverkauf.

Güterabfertigung Gittersee - 8,1/48,6 KB Vor der Güterabfertigung im Bf Dresden-Gittersee steht unsere Kleinlok und dahinter ein 4. Klasse Personenwagen.
Foto: Klaus Gottschling
Vergrößern - 48,6 KB
Stellwerk in Gittersee - 6,9/32,5 KB Dienstraum des Fahrdienstleiters im Gebäude der Güterabfertigung des Bf Dresden-Gittersee. Der rote Hebel an der Hebelbank dient dem Stellen des Einfahrsignals A. Mit den anderen fünf Hebeln werden die Weichen 5, 6, 10 sowie die Gleissperren I und II gestellt. Die Signalabhängigkeit wird mit dem Schlüsselwerk an der linken Wand gewährleistet.
Foto: Klaus Gottschling
Vergrößern - 32,5 KB

Vielleicht wollen Sie sich etwas auf dem Bahnhof umsehen
Die beiden Gleise, die hinter der Güterabfertigung an der Rampe vorbei zum Lokschuppen führten, wurden 1994 entfernt. Im Bereich des Empfangsgebäudes liegen drei Gleise. Das linke am Inselbahnsteig diente bis 1989 der Beladung der Erzzüge. Das mittlere Gleis (Vorsicht beim Überqueren!) dient dem Umsetzen der Lokomotiven für die Rückfahrt. Dazu fährt die Lok in Richtung Gleisabschluß. Im in Fahrtrichtung rechten Gleis lag noch bis Anfang der 1990er Jahre die Anschlußweiche für den Gleisstummel des Wellpappenwerkes. Die Laderampe ist erkennbar. Ein paar Meter weiter sieht man links, den Rest des Gleises, das rückwärts in das Gelände des "Bergbaubetriebes 'Willi Agatz'" führte und nach vorn in den ehemaligen Lokschuppen des Bergbaubetriebes. In diesem Schuppen wurden nach Umbau im Winter Kesselwagen aufgewärmt. Das Streckengleis führt rechts am Schuppen vorbei und endet nach ca. 20 m bei km 6,05 an einem Prellbock vor der Cunnersdorfer Straße in Freital.
Gleisabschluß der Windbergbahn - 16,8/59,2 KB
Bei ca. km 6,05 befindet sich an der Cunnersdorfer Straße in Freital der Gleisabschluß der Windbergbahn.
Foto: Klaus Gottschling
Vergrößern - 59,2 KB
Vom Gelände des Bahnhofs können Sie in das Elbtal sehen. Neben einem Teil von Dresden sieht man (entsprechende Sicht vorausgesetzt) auch den Fernsehturm, den Borsberg und im Norden den Keulenberg bei Kamenz. Richtung Ost jenseits des Kaitzgrundes liegt Cunnersdorf. Der Malakoff-Turm des Marienschachts, wo bis 1951 die Windbergzüge Richtung Possendorf vorbei fuhren, ist auch gut zu erkennen.

Wenn Sie nicht im Sonderzug nach Dresden Hbf zurück fahren möchten, können Sie an der 80 m vom Bahnhof entfernten Bushaltestelle Hermann-Michel-Straße in die Stadtlinie 71 bzw Regionalbuslinie B Richtung Dresden-Coschütz (Anchluß Richtung Hauptbahnhof u.a.) einsteigen. Vom Bf Gittersee gelangt man in ca. 20 Minuten Fußweg zum Schloß Burgk (Museum zur Stadt- und Bergbaugeschichte in Freital). Man kann zu einer Wanderung auf dem "Bergbaulehrpfad rechts der Weißeritz" starten oder sich auf die Wanderung entlang der Windbergbahn Richtung Possendorf begeben. Meist bieten wir anläßlich von Sonderfahrten unseren Gästen die Möglichkeit, im historischen Omnibus nahezu parallel zur Bahnlinie nach Possendorf und zurück zu fahren. Während der Fahrt erhalten Sie von einem Vereinsmitglied sachkundige Informationen zum Abschnitt Gittersee–Possendorf der Windbergbahn.
Gruppen können beim Windbergbahn-Verein auch außerhalb der Öffnungszeiten der Ausstellung im Empfangsgebäude eine Führung auf dem Bahnhof Gittersee oder entlang der Bahntrasse nach Possendorf bestellen.


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letzte Änderung am 25.10.2002;